Neumond im Skorpion – Das erste Geschenk deiner Seele
Samhain liegt hinter uns. Wir haben den alten Jahreskreis verabschiedet, den Schleier zwischen den Welten ein wenig gelüftet und den Blick nach innen gerichtet. Vielleicht hast du in den vergangenen Wochen gespürt, dass etwas in dir zur Ruhe gekommen ist. Vielleicht hast du Abschied genommen von alten Gewohnheiten, Gedanken oder Erwartungen. Vielleicht war es aber auch einfach die Stille dieser besonderen Zeit, die dir gezeigt hat, was wirklich wichtig geworden ist.
Mit dem Neumond am 09.11.2026 im Skorpion beginnt nun ein neuer Mondzyklus. Doch dieser Neubeginn fühlt sich anders an als der eines Frühlingsmondes. Er drängt nicht nach außen. Er fordert keine schnellen Entscheidungen und keine großen Veränderungen. Die Natur zeigt uns etwas anderes. Die Felder ruhen. Die Bäume haben ihre Blätter losgelassen und ziehen ihre Kraft in die Wurzeln zurück. Unter der Oberfläche scheint alles still zu sein – und doch ist das Leben gegenwärtig. Genau diese Weisheit trägt auch der Skorpion in sich. Er erinnert uns daran, dass wahre Wandlung nicht laut geschieht. Sie beginnt in der Tiefe unseres Herzens, oft lange bevor wir sie im Außen erkennen können. Nach Samhain geht es deshalb nicht mehr darum, loszulassen. Dieser Schritt liegt bereits hinter uns. Nun dürfen wir den Blick auf das richten, was geblieben ist. Denn jede Erfahrung hinterlässt ein Geschenk. Jede Herausforderung hat uns etwas gelehrt. Jede überwundene Angst hat eine neue Stärke in uns wachsen lassen.
Vielleicht ist es mehr Vertrauen. Vielleicht mehr Mitgefühl. Vielleicht der Mut, den eigenen Weg zu gehen. Vielleicht die Erkenntnis, dass wir nicht länger perfekt sein müssen, um vollkommen zu sein. Oft übersehen wir diese Geschenke, weil wir unseren Blick auf das richten, was noch nicht erreicht wurde. Doch unsere Seele misst Wachstum nicht an Erfolgen oder äußeren Zielen. Sie erkennt den Wert jeder Erfahrung, die unser Herz weiter werden lässt.
Der Skorpion lädt uns deshalb ein, innezuhalten und zu fragen: Welches Geschenk hat mir dieses Jahr gemacht?
Nicht, was wünsche ich mir. Nicht, was fehlt mir noch. Sondern: Welche Kraft ist bereits in mir angekommen?
Vielleicht ist genau das der größte Schatz dieses Jahres. Während wir im September unsere innere Erntekammer vorbereitet und zum Erntemond mit den Früchten unseres Weges gefüllt haben, dürfen wir nun einen dieser Schätze bewusst auswählen. Er wird zu unserem Begleiter durch die dunkle Jahreszeit – zu einer Erinnerung daran, dass unsere wahre Sicherheit nicht im Außen liegt, sondern in dem, was wir in uns selbst gefunden haben. Wie ein Licht, das auch in der längsten Nacht weiterbrennt. Still. Warm. Unerschütterlich.
Der Skorpion kennt die Dunkelheit. Doch er weiß auch, dass in ihrem Herzen immer ein Licht verborgen liegt. Vielleicht ist genau jetzt der Moment gekommen, diesem Licht zu vertrauen.
Ritual – Das erste Geschenk deiner Seele
Vorbereitung:
Suche dir einen ruhigen Ort, an dem du ungestört bist. Richte deinen Ritualplatz liebevoll her und stelle eine kräftig rote Kerze bereit – sie symbolisiert deine Lebenskraft, dein inneres Feuer und den Mut, deinem eigenen Weg zu vertrauen. Lege außerdem einen Stein dazu, der dich anspricht. Es muss kein besonderer Edelstein sein. Oft findet uns genau der Stein, der uns in diesem Moment begleiten möchte. Wenn du magst, entzünde etwas Räucherwerk, öffne kurz ein Fenster und lasse bewusst frische Luft in den Raum. Atme einige Male tief ein und aus und spüre, wie du ganz im Hier und Jetzt ankommst.
Meditation:
Schließe die Augen. Stelle dir vor, du gehst einen schmalen Weg durch einen herbstlichen Wald. Die Bäume stehen still. Das letzte goldene Licht des Tages fällt durch ihre Äste und begleitet dich zu einer kleinen Lichtung. In ihrer Mitte brennt ein ruhiges Feuer. Du setzt dich davor und blickst in die Flammen. Nach und nach lösen sich alle Gedanken. Es wird still. Aus dieser Stille steigt eine Frage in dir auf:
Welches Geschenk hat mir dieses Jahr gemacht? Welche Erfahrung hat mich wachsen lassen? Welche Stärke trage ich heute in mir, die ich vor einem Jahr noch nicht kannte? Lass keine Antwort erzwingen. Vertraue darauf, dass deine Seele dir genau das zeigt, was jetzt gesehen werden möchte. Vielleicht erscheint ein Wort. Ein Bild. Ein Gefühl. Oder einfach ein tiefes Wissen. Nimm es liebevoll an.
Ritual:
Nimm nun den Stein in beide Hände. Betrachte ihn aufmerksam. Vielleicht entdeckst du Linien, Farben oder kleine Einschlüsse, die dir zuvor noch nie aufgefallen sind. So wie dieser Stein durch Wind, Wasser und Zeit geformt wurde, haben auch deine Erfahrungen dich zu dem Menschen gemacht, der du heute bist. Sprich:
„Ich danke meinem Weg.
Ich danke allen Erfahrungen, die mich wachsen ließen.
Ich erkenne das Geschenk, das in ihnen verborgen lag.
Möge dieser Stein mich daran erinnern, dass meine wahre Kraft bereits in mir lebt.
Ich bin sicher in mir.
Ich vertraue meiner Seele und dem Weg, der vor mir liegt.“
Halte den Stein anschließend noch einen Moment an dein Herz und spüre, wie sich seine Ruhe mit deinem Atem verbindet. Nun entzünde die rote Kerze und stelle sie für eine Weile in ein Fenster. Sie ist ein Zeichen deines inneren Lichtes. Ein Licht, das nicht die Dunkelheit vertreibt, sondern sie liebevoll erhellt. Lass die Kerze jeden Abend bis zum Vollmond für einige Zeit brennen. Nimm dabei deinen Stein in die Hand und erinnere dich an das Geschenk, das du an diesem Abend empfangen hast. Mehr braucht es nicht. Keine Aufgaben. Keine Übungen. Nur diesen einen stillen Moment der Verbindung mit dir selbst.
Danksagung:
Lege beide Hände auf dein Herz und sprich:
„Ich danke der Erde, die mich trägt.
Ich danke dem Feuer, das in meinem Herzen leuchtet.
Ich danke meiner Seele für ihre Weisheit und Führung.
Möge ich meiner inneren Wahrheit vertrauen, auch wenn der Weg noch im Verborgenen liegt.
Möge mein Licht mich durch die dunkle Jahreszeit begleiten und mich immer wieder daran erinnern, dass alles, was ich suche, bereits in mir lebt.
So sei es.“
Lösche die Kerze mit Dankbarkeit und bewahre den Stein an einem Ort auf, an dem er dich täglich begleitet – in deiner Tasche, auf deinem Altar oder neben deinem Bett. Immer wenn Zweifel aufkommen, nimm ihn für einen Moment in die Hand. Nicht, weil er die Kraft besitzt. Sondern weil er dich an deine eigene erinnert.

Hinaus in die Welt
Mich in Gemeinschaft zu fühlen ist wie ein wertvoller Schatz.
Denn wer bin ich auf mich gestellt, wo ist mein Platz?
Ist der Schritt noch voller Unsicherheit hinaus in die Welt,
ist in mir schon die Freiheit von dem, was mich zurückhält.
Wenn das Jahr zu Ende geht entsteht ein neuer Raum,
helfen die Erfahrungen allem Platz zu geben, in vollem Vertraun.
Vertrauen sich auch im Alltag offen zu zeigen,
speziell da, wo wir eher zu Rückzug neigen.
Im letzten Jahr hab ich gelernt über meine Grenzen zu gehen,
hab erfahren dürfen wo ich mich weiten kann und verstehen,
daß immer ich meine Grenzen setze und wieder transformiere,
ich mit ihnen wachse und mich selbst nicht dabei verliere.
Sind meine Grenzen gerade so viel weicher und frei,
denn auf Reisen entdecken wir uns selbst laufend neu.
An diesen Grenzen findet die Begegnung mit anderen statt,
und durch die Zeit in der Gemeinschaft fühle ich Liebe satt.
Glaube dran mich nun überall zeigen zu können,
all meine Facetten und die Verletzlichkeit benennen,
dabei zugeben nicht alles zu wissen, unsicher sein,
sich nicht immer toll fühlen, sondern manchmal auch klein.
Der Welt da draußen damit die Möglichkeit geben,
mich als Ganzes zu sehen und nicht nur Teile vom Leben.
Auch nicht nur Summe dessen zu sein was ich geben kann,
sondern mit Offenheit angenommen sein, da glaub ich dran.
Die offene Wertschätzung der Gemeinschaft nehmen,
und sie auch auf die restliche Welt ausdehnen.
Bin gewappnet für alles was da jetzt kommen mag,
Geh mutig und voller Liebe hinaus in den Tag.
© Iris Kurz Oktober 2026
