Eine Woche zwischen Ernte und Neubeginn
Diese Woche lädt uns ein, nach innen zu gehen, bevor wir den nächsten Schritt nach außen machen. Es ist eine Zeit zum Lauschen, zum Innehalten und dafür, wahrzunehmen, was sich in uns verändert hat. Am Dienstag überschreiten wir mit der Tagundnachtgleiche eine besondere Schwelle. Tag und Nacht sind für einen Moment im Gleichgewicht, Licht und Dunkelheit begegnen sich auf Augenhöhe. Gleichzeitig beginnt mit diesem Tag eine neue Jahreszeit. Die Natur zieht sich langsam zurück und beginnt, ihre Kräfte nach innen zu sammeln.
Am Freitag folgt der Vollmond im Widder, verbunden mit Neptun. Er bringt die Themen Selbstwerdung, innere Wahrheit, Intuition und unsere Beziehung zu unserer eigenen Seele in den Vordergrund. Beides zusammen stellt für mich eine ganz wesentliche Frage:
Wer bist du heute – nach allem, was du in diesem Jahr erlebt hast? Nicht, wer du im Januar warst. Nicht, wer du vor der Finsterniszeit warst und auch nicht, wer du zur Sommersonnenwende warst.
Wer bist du jetzt?
Denn vielleicht hat sich viel mehr verändert, als du bisher bewusst wahrgenommen hast. Erst einmal innehalten und die Ernte betrachten
Wir sind so daran gewöhnt, immer schon auf das Nächste zu schauen. Kaum ist etwas abgeschlossen, richten wir unseren Blick wieder nach vorne. Was kommt jetzt? Was ist der nächste Schritt? Was möchte ich verändern oder erreichen?
Doch vielleicht dürfen wir genau an dieser Stelle einmal innehalten und zurückschauen.
Was ist seit der Sommersonnenwende geschehen? Was hat sich in deinem Leben verändert? Was ist vielleicht zu Ende gegangen, obwohl du es noch nicht loslassen wolltest? Und was hast du in dieser Zeit über dich selbst erkannt?
Auch die Zeit der Finsternisse hat vieles in Bewegung gebracht. Vielleicht ist etwas gegangen, das lange nicht mehr wirklich zu dir gehört hat. Vielleicht ist aber auch etwas zurückgekehrt, das du schon verloren geglaubt hattest. Eine Sehnsucht, eine Kraft oder ein Teil von dir, der lange im Hintergrund geblieben war. Vielleicht gibt es heute etwas, bei dem du ganz deutlich spürst: Das bin ich nicht mehr. Auch das ist eine wichtige Erkenntnis.
Die Tagundnachtgleiche lädt uns ein, die Ernte einzuholen. Nicht nur das, was im Außen sichtbar geworden ist, sondern auch das, was in uns gereift ist. Oft übersehen wir, wie viel sich bereits verändert hat, weil wir schon wieder mit dem beschäftigt sind, was als Nächstes kommen soll.
Vielleicht ist genau jetzt der Moment, einmal stehenzubleiben und zu erkennen, wie weit du bereits gekommen bist.
Und manchmal gehört zur Ernte auch ein Abschied
Zu jeder Ernte gehört auch das Loslassen. Und vielleicht ist genau das manchmal der schwierigste Teil. Denn wenn wir etwas verabschieden, geben wir nicht immer nur eine Situation oder einen Menschen frei. Manchmal verabschieden wir eine Vorstellung von unserem Leben, eine Rolle, die wir lange getragen haben, einen Traum oder eine Version von uns selbst, mit der wir uns sehr verbunden gefühlt haben.
Deshalb kann Loslassen sich manchmal beinahe so anfühlen, als würden wir einen Teil von uns selbst hergeben.
Wir können längst wissen, dass etwas nicht mehr zu uns gehört, und trotzdem daran festhalten. Nicht weil wir schwach sind, sondern weil es einmal wichtig war. Weil wir geliebt, gehofft und geglaubt haben. Weil etwas uns auf unserem Weg begleitet und vielleicht sogar ein Stück weit zu dem Menschen gemacht hat, der wir heute sind.
Deshalb braucht Abschied Mut.
Es braucht Mut, anzuerkennen, dass etwas seine Zeit hatte. Und es braucht Vertrauen, etwas gehen zu lassen, obwohl wir noch nicht wissen, was danach kommt. Loslassen bedeutet nicht, dass das Vergangene wertlos war. Im Gegenteil. Manchmal ist es gerade ein Zeichen von Würdigung, wenn wir etwas freigeben können, weil wir erkennen, dass seine Zeit in unserem Leben erfüllt ist.
Vielleicht dürfen wir sagen: Danke für das, was du mir gegeben hast. Danke für das, was ich durch dich erfahren durfte. Und jetzt darfst du gehen. Denn wenn wir etwas loslassen, entsteht nicht nur Leere. Es entsteht auch Raum.
Und vielleicht braucht das Neue genau diesen Raum, um überhaupt sichtbar werden zu können.
Die Tagundnachtgleiche – die Balance zwischen Licht und Dunkelheit
Mit der Sonne im Zeichen Waage betreten wir eine Zeit, in der es um Beziehung, Ausgleich und Gleichgewicht geht. Doch wahre Balance bedeutet nicht, dass immer alles harmonisch und angenehm sein muss. Sie bedeutet auch nicht, dass wir Teile von uns zurücknehmen müssen, damit es für andere leichter wird. Wahre Harmonie entsteht dort, wo wir in eine gute Beziehung mit uns selbst kommen.
Vielleicht geht es in diesen Tagen deshalb um die Frage, ob unser äußeres Leben noch mit unserem inneren Wesen übereinstimmt.
Lebe ich in einer Weise, die meiner Seele entspricht? Und wo vielleicht nicht?
Die Energie dieser Tagundnachtgleiche führt uns dabei auch in tiefere Schichten. Dorthin, wo wir nicht mehr so leicht ausweichen können.
Alte Wunden können sich noch einmal zeigen. Nicht unbedingt, weil wir wieder am Anfang stehen, sondern vielleicht gerade deshalb, weil wir inzwischen bereit sind, eine weitere Schicht davon zu sehen. Heilung verläuft nicht linear. Manchmal kehren wir an einen alten Punkt zurück, aber wir selbst sind nicht mehr dieselben Menschen wie damals. Wir begegnen der alten Wunde aus einer anderen Tiefe und mit einem anderen Bewusstsein. Vielleicht liegt genau dort etwas, das wir heute brauchen: die Medizin unserer eigenen Erfahrung.
Was darf wieder ganz werden?
Vielleicht gibt es eine Seite in dir, die lange darauf gewartet hat, wieder Raum zu bekommen. Deine Lebendigkeit, deine Kraft, deine Intuition oder einfach die Freiheit, mehr du selbst zu sein. Wir lernen oft früh, uns anzupassen und Harmonie herzustellen. Wir möchten niemanden enttäuschen, möchten geliebt werden und dazugehören. Und manchmal verlieren wir dabei ganz unbemerkt den Kontakt zu dem, was in uns eigentlich wahr ist.
Irgendwann entsteht dann die Frage: Wo endet Frieden und wo verlasse ich dafür mich selbst?
Vielleicht wird dir in diesen Tagen deutlicher bewusst, wo du dich selbst verlassen hast, um etwas oder jemanden nicht zu verlieren.
Du musst darauf nicht sofort reagieren. Vielleicht reicht es zunächst, es zu sehen.
Denn manchmal beginnt Veränderung genau dort, wo wir aufhören, vor einer Wahrheit davonzulaufen.
Der Vollmond im Widder – wer bist du geworden?
Am Freitag erreicht die Woche ihren zweiten großen Höhepunkt: Vollmond im Widder. Der Widder steht für das eigene Ich, für Mut, Eigenständigkeit und den inneren Impuls, einen eigenen Weg zu gehen. Der Vollmond beleuchtet dabei die Widder-Waage-Achse. Es geht um das Verhältnis zwischen Ich und Du, zwischen Eigenständigkeit und Beziehung. Und vielleicht zeigt sich dadurch sehr deutlich, wo du in den vergangenen Monaten mehr zu dir selbst gefunden hast – und wo du dich noch immer an etwas bindest, das eigentlich nicht mehr zu dir gehört.
Denn wenn du dich verändert hast, können auch deine Beziehungen nicht vollkommen gleich bleiben.
Vielleicht braucht eine Beziehung zu einem Menschen eine neue Form. Vielleicht verändert sich deine Beziehung zu deiner Arbeit oder zu deinem Körper. Vielleicht merkst du, dass auch deine Spiritualität heute eine andere ist als noch vor einigen Jahren.
Die entscheidende Frage ist nicht mehr, was für dein früheres Ich richtig war.
Sondern: Was ist heute eine stimmige Beziehung für den Menschen, der ich geworden bin?
Das ist eine andere Frage. Und vielleicht braucht sie auch eine andere Antwort.
Der Vollmond bringt Dinge ans Licht. Er macht sichtbar, was vorher vielleicht nur als leises Gefühl vorhanden war. Deshalb lohnt es sich, in diesen Tagen aufmerksam zu sein für das, was plötzlich klarer wird. Nicht alles muss sofort entschieden werden. Aber manches möchte endlich gesehen werden.
Durch die Verbindung mit Neptun bekommt dieser Vollmond eine sehr feine, spirituelle Qualität. Die Frage nach dem eigenen Weg führt dadurch noch tiefer. Wie ist deine Beziehung zu deiner Seele? Zu deiner inneren Führung? Zu dem Geheimnis des Lebens, das sich nicht immer mit dem Verstand erklären lässt? Vielleicht geht es gerade nicht darum, den „richtigen“ spirituellen Weg zu finden. Nicht darum, etwas richtig zu machen oder einer bestimmten Vorstellung davon zu entsprechen, wie Spiritualität aussehen sollte. Vielleicht geht es vielmehr darum, deinen eigenen Zugang wiederzufinden. Den Weg, der wirklich deiner ist. Denn manche Räume können wir nicht mit dem Verstand erreichen. Manchmal muss die Seele uns dorthin führen. Und vielleicht ist dieser Vollmond eine Einladung, wieder still genug zu werden, um ihre Stimme zu hören.
Vom Kopf zurück in den Körper
Gerade deshalb dürfen wir uns in diesen Tagen immer wieder aus dem Denken herausbewegen. Vielleicht hilft ein Spaziergang, eine Meditation, das Schreiben oder einfach eine Weile unter einem Baum zu sitzen. Nicht um etwas zu erreichen, sondern um wieder bei dir anzukommen.
Denn vielleicht besteht die nächste Form unseres Erwachens gar nicht darin, noch mehr zu verstehen. Vielleicht geht es darum, das, was wir längst wissen, auch zu verkörpern. Wir können sehr viel erkennen und trotzdem Schwierigkeiten haben, wirklich danach zu leben.
Vielleicht braucht es deshalb neben dem Erwachen des Bewusstseins auch ein tieferes Ankommen im Körper. Nicht nur nach oben und hinaus, sondern nach unten und hinein. In die Erde, in unsere Wurzeln, in unseren Körper und in unser ganzes Menschsein. Wenn unser Bewusstsein weiter wird, dürfen vielleicht auch unsere Wurzeln tiefer werden. Nicht um dem Menschsein zu entkommen. Sondern um ganz hier zu sein.
Die Einladung dieser Woche
Vielleicht müssen wir in dieser Woche gar nicht so viel tun. Vielleicht müssen wir nicht jede Erkenntnis sofort in eine Entscheidung verwandeln. Vielleicht dürfen wir einfach wahrnehmen, was sich zeigt. Die Tagundnachtgleiche lädt uns ein, innezuhalten und unsere Ernte anzuschauen. Der Vollmond im Widder fragt uns, wer wir geworden sind und wo wir bereit sind, wirklich zu uns zu stehen. Und Neptun führt uns noch tiefer zu der Frage, was unsere Seele uns sagen möchte, wenn wir still genug werden, sie zu hören. Vielleicht ist genau das die eigentliche Einladung dieser Woche: Nicht sofort weiterzugehen. Sondern einen Moment innezuhalten. Zurückzuschauen und zu würdigen, was war. Zu spüren, was sich verändert hat. Zu erkennen, was nicht mehr zu uns gehört. Und wahrzunehmen, was jetzt durch uns leben möchte.
Vielleicht gehört dazu auch ein Abschied.
Und vielleicht darf dieser Abschied traurig sein. Wir dürfen etwas vermissen, auch wenn wir wissen, dass es Zeit ist, weiterzugehen.
Mut bedeutet nicht, keine Angst vor dem Loslassen zu haben. Mut bedeutet, loszulassen, obwohl wir noch nicht wissen, was danach kommt.
Vielleicht brauchst du gerade keine neue Antwort. Vielleicht brauchst du eine Begegnung mit dir selbst.
Und vielleicht ist Zuhören in dieser Woche bereits ein großer Schritt. Wer bin ich nach allem, was ich erlebt habe?
Was darf ich verabschieden, damit Neues Raum bekommt?
Und vielleicht die wichtigste Frage: Was bittet meine Seele mich jetzt zu leben?
Eine kleine Meditation zur Tagundnachtgleiche und zum Vollmond
Nimm dir ein paar Minuten Zeit und suche dir einen ruhigen Ort. Wenn du möchtest, kannst du eine Kerze anzünden. Schließe deine Augen und spüre zunächst deinen Atem. Du musst nichts verändern. Lass ihn einfach kommen und gehen. Spüre deinen Körper und nimm wahr, dass du getragen bist. Von der Erde unter dir, von deinem Atem und von diesem Moment. Stell dir nun vor, du stehst an einer Schwelle. Hinter dir liegt der Weg, den du in den vergangenen Monaten gegangen bist. Schau noch einmal zurück, ohne zu bewerten.
Was möchtest du würdigen? Was hat dich wachsen lassen? Was hast du über dich selbst erfahren?
Und dann frage dich ganz sanft: Was ist jetzt bereit, zu gehen?
Vielleicht taucht ein Mensch auf, eine Situation, eine alte Vorstellung oder eine Version von dir selbst. Du musst nichts erzwingen. Lass einfach kommen, was kommen möchte. Wenn es sich stimmig anfühlt, sage innerlich:
Ich danke dir für das, was du mir gegeben hast. Ich ehre, was war. Und ich erlaube dir, zu gehen.
Vielleicht spürst du dabei Traurigkeit. Vielleicht Erleichterung. Vielleicht gar nichts. Alles darf da sein.
Dann richte deine Aufmerksamkeit auf den Raum, der dadurch entsteht. Du musst noch nicht wissen, womit er sich füllen wird.
Bleibe ein paar Atemzüge bei diesem offenen Raum und spüre, wie es sich anfühlt, nicht alles wissen zu müssen.
Atme tief ein und sage innerlich: Ich öffne mich für das, was jetzt durch mich leben möchte.
Und beim Ausatmen: Ich lasse los, was nicht mehr zu mir gehört.
Bleibe noch einen Moment in der Stille. Und dann stelle deiner Seele eine Frage:
Was möchtest du, dass ich jetzt weiß?
Lausche, ohne eine Antwort zu erwarten. Vielleicht kommt ein Wort. Ein Bild. Ein Gefühl. Vielleicht auch gar nichts.
Vertraue darauf, dass nicht jede Antwort sofort als Gedanke erscheinen muss. Manchmal beginnt sie ganz leise. Als ein Gefühl von innerem Wissen. Und wenn du bereit bist, öffne langsam wieder deine Augen und nimm diesen Moment mit in deinen Tag.

Hinter den Masken
Ich bin Liebe und werde immer Liebe sein,
ein Gefühl so groß, passt nicht in den Kopf hinein.
Der Verstand immer wieder nach Gründen sucht dafür,
diese wundersame Tür wieder zu schließen in mir.
Solange schrieb in mir ein verletzter Teil die Geschichte,
vorsichtig, bedacht, dass ich nur von den Teilen berichte,
die nett und adrett sich dem Außen vollkommen anpassen,
dabei keine Gelegenheit Anerkennung zu erhalten, auslassen.
Gleichzeitig tief im Inneren immer darum zu wissen,
dass alle Versuche jemand anderer zu sein eines vermissen,
die wahren Liebe hinter all den Masken und Rollen
und das all die Teile in mir nur nach Hause kommen wollen.
Deshalb lade ich heute all diese verletzten Teile ein,
bitte euch mit mir auch die alten Wunden zu verzeihen,
öffne mein Herz und den gesunden Teil in mir weit,
in Vergebung und Dankbarkeit zu zeigen, jetzt ist es Zeit.
Lasst euch nieder am inneren Feuer und feiert mit mir,
die Zeit der Vermählung aller verlorene geglaubter Träume ist hier,
lasst uns die Hochzeit des Lebens feiern im Kreis,
voller Liebe ich die Verschmelzung in mir willkommen heiß.
Allem Leid, alle Kämpfe und Illusionen zu folgen, macht Sinn
nur durch die Erfahrung des lernen und spüren darin,
darf ich erkennen, wie tief die Liebe in allem lebt,
und wie alles zusammen mein Leben hat gewebt.
Weiß, ich werde auch in Zukunft hinter Träumen her jagen,
werde lernen, erfahren und mir dabei auch immer wieder sagen,
verzeih dir selbst alle Rollen und im außen zu suchen,
denn jetzt weißt du ja im Inneren wartet der Kuchen.
© Iris Kurz April 2025
